Donnerstag, 22. September 2016

Kreta und dann „Adio Ellada“

Kreta, eine Insel, die mich nie angezogen hat. Nun bin ich doch hier und das einen ganzen Sommer lang. Nach einem nicht ganz leichten, aber notwendigen Abschied vom Likithos auf Sithonía im Norden Griechenlands  hatte ich mich entschlossen, das Angebot von vamos Eltern-Kind-Reisen, eine Saison im Irini Mare Hotel im Süden Kretas die Reiseleitung zu übernehmen, anzunehmen. Zu meiner großen Freude kam mein „alter“ vamos-Kollege Michi, mit dem ich auch schon eine Saison im Likithos zusammen gearbeitet hatte, mit mir hierher und übernahm die vamos Kinderhausleitung im Hotel. So sind wir Ende April zusammen hier angekommen und starteten am 1. Mai in eine neue Sommersaison.

Auf Kreta sieht meine Arbeit als Reiseleiterin etwas anders aus als im Likithos. Hier mache ich mit den Gästen auch einige Ausflüge: zweimal die Woche eine Wanderung, ein Boots- und Angelausflug, wir besuchen eine Eselfarm oder ein Weingut. Und ich gebe etwa 3-4 Mal die Woche eine Yogastunde. Ansonsten bin ich auch hier wie im Likithos für die vamos Familien im Hotel da und schaue als vamos Teamleitung, dass wir alles wie im Katalog versprochen für die Gäste anbieten und umsetzen.

Es begann sehr ruhig für uns als erstmal 3- bis 4-köpfiges vamos Team im Mai und Juni, es gab nur wenige Familien im Hotel, das kein reines vamos-Ziel ist, also auch noch viele Gäste anderer Reiseveranstalter hat. Meine erste Familie, die am 1. Mai hier ankam, kannte ich schon aus dem Likithos. Was für eine Freude! Und so ging es fast jede Woche, immer wieder kamen bekannte Gesichter aus dem Likithos an, das war auch sehr schön für mich. Und im Juni kam, zwar nicht mit vamos, aber auch eine Familie aus meiner ersten Likithos Saison hier an: Elke und Christoph mit dem inzwischen 5-jährigen Paul.  Ich brauchte wie meistens einen Moment, um die Gesichter und Namen zu sortieren, aber mit jedem Satz kommt ganz schnell etwas Vertrautes zurück. Elke ist auch Journalistin und schreibt unter anderem in einem privaten Blog über Menschen und deren Leben. Nun steht auf ohfamoos auch ein Portrait über mich als Mensch, als „Reiseleiterin“ und „Yogaherz“.

Ich bin übrigens in meinem ganzen Leben nicht so viel gewandert wie in diesen paar Monaten hier auf Kreta, wer hätte das gedacht. Es wird zwar eher nicht zu einer beständigen Leidenschaft, aber ich habe doch auch viel Spaß daran gehabt und ich werde sicher auch in Zukunft wieder immer mal wieder die ein oder andere Wanderung machen. Ist auch Yoga übrigens.

Die Hochsaison im Juli und August war natürlich voller vamos Familien und wir waren dann zu siebt oder acht im Team. Es war eine turbulente Zeit mit viel Spaß und Freude, aber auch mächtig anstrengend. Danke an mein ganzes Team dieses Sommers für die großartige Arbeit und die wunderbare Freude und Energie, die ihr dabei mitgebracht habt: Michi, Louisa, Janina, Jule, Paula, Anne-Kathrin und Aina  in der Kinderbetreuung, Hannah und Mara im Jugendprogramm und auch Nadine, Katja und Kira im Büro für die tolle Unterstützung aus der Ferne.

Besonders gegen Ende August merkt man doch sehr, dass man ganz schön erschöpft ist. Trotzdem liebe ich was ich tue und irgendwie fühle ich mich auch meist eher als Gastgeberin denn als Reiseleiterin. Was mich dann auch immer wieder sehr darin bestärkt, mir bald selbst ein kleines Gästehaus zu suchen und das möchte ich in Portugal finden. Kreta und Griechenland finde ich schon irgendwie sehr schön, aber wirklich verbunden fühle ich mich hier nicht. Nur das Likithos auf Sithonia und die Chalkidiki haben mir für eine Weile ein Gefühl von zu Hause gegeben. Aber schon seit einigen Jahren hat es mich immer irgendwie nach Portugal gerufen.

Nun sind es noch gut fünf Wochen bis zum Ende der Saison und ich schaue nun, wie ich den Winter verbringe. Falls sich noch ein Einsatz in Deutschland ergibt, würde ich noch ein paar Monate dort bleiben. Ansonsten, was spricht dagegen, gleich nach Portugal zu gehen, mich dort niederzulassen und den Neuanfang zu machen? So habe ich nun angefangen, wirklich nach einem Haus dort zu suchen, wo und mit dem ich meinen Traum von einem kleinen Hotel verwirklichen kann. Das ist jetzt alles so aufregend, manchmal fast beängstigend, aber auch mit so viel Freude und Dankbarkeit gesegnet, frei zu sein dem Herzen zu folgen – und das ist schon mal vor geflogen…. 

Danke Griechenland für viele wunderschöne Stunden, Tage und Wochen, für die wunderbaren Menschen, die hier meine Freunde geworden sind und alle, die mir hier begegnet sind und mich vieles gelehrt haben. Danke für größte Freude und größte Glückseligkeit und auch für den tiefen Schmerz, all das, was ich hier erlebt habe. Und mein Herz wird doch ein Stückchen verbunden bleiben, wenn ich am 31. Oktober 2016 sage: „Adio Ellada!“

Seit März 2015 bin ich auch ganz offiziell „Yoga Teacher RYS200“. Mein letzter Blogpost war aus Februar 2015, als ich das Yoga Teacher Training an der Sampoorna Yoga School in Goa gerade begonnen hatte. Im letzten Winter 2015/16 habe ich an derselben Schule ein 5-monatiges Karma Yoga Praktikum gemacht, dort meine Yoga Praxis und Kenntnisse vertieft und viel Zeit mit mir selbst verbracht. Yoga ist Leben und lässt leben, in welcher Form auch immer, es wird mich immer weiter begleiten, auch nach Portugal.

Hier noch ein paar Bildchen aus Kreta 2016 und Goa 2015

Agía Galíni

Strand Triopetra West

vamos Team Irini Mare im Mai 2016 


Yoga ist Leben ist Yoga

Agios Antonios Schlucht Aussicht

Agia Marina Donkey Sanctuary

Wunderbarer Sokrates


Sudhir ji, ein wunderbarer Lehrer, Goa März 2015

Revival Rhythmische Sportgymnastik

Fliegen lernen in Goa

Graduation Ceremony im März 2015

Happy Yoga Teacher in Goa

Mittwoch, 11. Februar 2015

... und jetzt G O A oder „Indien Light“




Nach knapp zwei Jahren erzähle ich nun wieder mal in meinem Blog über eine weitere Reise. Diesmal habe ich mir GOA in Indien ausgesucht, wie eine liebe Freundin, die Indien schon ganz gut kennt, sagte, eigentlich „Indien Light“. 


Dass ich doch mal in dieses Land komme, hatte ich nicht wirklich im Sinn, jedenfalls nicht jetzt. Aber irgendwie „ist es zu mir gekommen“ und ich habe es gerne genommen. Eine Freundin, die mich im letzten Jahr in Griechenland besuchte, wo ich wieder als Reiseleiterin im schönen Hotel Likithos auf der Chalkidikí arbeitete, hat mich darauf gebracht, als ich ihr davon erzählte, dass ich diesen Winter so gar nicht weiß, was ich machen möchte. Nur eins wusste ich: sicher nicht wieder einen ganzen Winter in Deutschland verbringen… das war im Oktober, also kurz vor Ende der Saison und Rückkehr nach Deutschland. Also habe ich mir das mal angeschaut „Goa – wo liegt das eigentlich?“  und habe dann ganz schnell entschieden, nach Goa zu gehen, am besten gleich zwei Monate und das Ganze dann mit einem Yoga Teacher Training verbinden, denn das kann man hier wunderbar machen. Dann hat sich auch direkt noch ein Job von November bis Januar im Kunstsupermarkt in Frankfurt ergeben genauso wie ein Zimmer für mich bei Freunden für die Zeit, also war auch schnell klar, dass ich dann im  Februar und März nach Goa fliegen würde. Und so habe ich geplant, gebucht und meine schöne neue Reise organisiert. 


„And then everything falls into place“


Nach einer etwa 14-stündigen Reise von Frankfurt über Delhi nach Dabolim in Goa kam ich am 30. Januar total erledigt, aber glücklich hier in Agonda Beach an. Goa ist der kleinste von 28 indischen Bundesstaaten im Westen Indiens an der Arabischen See gelegen. Es gibt hier wunderschöne Strände und Agonda Beach soll einer der schönsten davon sein.  Es ist sehr friedlich hier, gar nicht voll trotz Hochsaison, es gibt eine Mini-Hauptstraße mit vielen Geschäften, Restaurants und kleinen Strandhütten Resorts auf der Meeresseite und Gästehäuser und kleine Hütten unter Palmen auf der Landseite der Straße. Auf der Mitte der Straße liegt direkt vor dem Strand die Kirche und direkt daneben auch eine Schule. Da Goa von 1510 bis 1961 portugiesische Kolonie war, ist eine schöne Verbindung von Christentum und Hinduismus und Mischung aus europäischer und asiatischer Kultur entstanden. Es gibt überall Kirchen und hinduistische Tempel  und die Menschen nehmen das Leben insgesamt leichter und sind freier, als im Norden Indiens,  so dürfen sich die Menschen hier z. B. ihre Ehepartner selbst aussuchen, während dies im Norden noch weit verbreitet von den Eltern bestimmt wird.


Ich habe für die ersten 10 Tage eine kleine Hütte direkt am Strand gebucht im Saxony Beach Cottages. Sehr einfach und das eigene Bad ist fast im Freien, nur mit einem grünen engmaschigen Art Netz überdacht, aber sehr hübsch und groß genug mit einem ordentlichen großen Bett, davor eine kleine Veranda, von der aus ich jeden Abend den Sonnenuntergang genießen kann. In der ersten Nacht schlief ich nicht so gut, aber dafür gleich mal 14 Stunden. Ich musste mich erst mal zwei Nächte an das Geräusch der „krachenden“ Wellen gewöhnen, ganz schön laut und man hat den Eindruck, dass gleich eine Welle in die Hütte kracht oder spült, weil es sich so nah anhört – da war ich schon ein bisschen nervös. In der dritten Nacht habe ich nichts mehr gehört. Ich schlief wunderbar und wache sogar früh auf.


Im Saxony Restaurant gibt es superleckeres Essen, viel gesundes wie frische Säfte, Obstsalat aus Papaya, Ananas, Melone und Banane mit Yoghurt, indisches und goanisches Essen und sogar italienische Pasta, Burger und chinesisch, wenn’s denn sein muss. Und alles so billig hier. Die schönste aller Frühstückswelten für mich: jemand bringt mir Obstsalat und Yoghurt, dazu ein Nutella-Toast oder Pancake und frischen Minz-Ingwer-Tee. Mittags ein gemischter frischer Fruchtsaft und abends wunderbar würzig-scharfes Chicken Masala oder Momos (Teigtaschen gefüllt mit Gemüse oder Hühnchen oder Shrimps) oder einfach Biriyani, das ist ein Reisgericht mit Gemüse oder Hühnchen oder Fisch, natürlich auch scharf. Alles einfach lecker und meistens gesund.D ie Jungs, die hier arbeiten sind supernett und es ist jeden Morgen eine Freude, lächelnd begrüßt zu werden. Überhaupt lächeln hier fast alle und fast immer, sagen hallo, egal ob bekannt oder nicht, ich fühlte mich schon nach zwei Tagen irgendwie richtig gut aufgehoben.


Ja, und dann sind ja hier auch überall Kühe: auf der Straße, im Feld und auch manchmal am Strand. Daran hatte ich gar nicht gedacht, als ich mir am zweiten Morgen mein Obst mit Yoghurt an den Strand habe bringen lassen. Gemütlich lag ich auf meiner Liege und wollte gerade beginnen zu essen, als eine Kuh vorbei kam. Sie schaute mich plötzlich an aus 10 Meter Entfernung irgendwie direkt an, kam auf mich zu, was mich wunderte und ich dachte noch, oh, die meint mich J nette Kuh…. Bis sie dann zielstrebig auf meine Obstschüssel zu ging, fast auf meiner Liege lag und mich mit ihren Hörnern anstarrte als ich versuchte, sie weg zu schieben, dabei  laut ausrief „oh no, she wants my food“ und nur alles hoch halten konnte bis ein netter Strandnachbar kam und mir die Sachen abnahm und mir half sie auf die Terrasse zu tragen. Und die ganze Zeit habe ich gleichzeitig rumgekichert und gequiekt, weil die Situation einfach so komisch war. Also kein Essen mehr am Strand, besonders nicht, wenn Kühe vorbei kommen.


Am dritten Morgen habe ich dann auch schon mal in meiner Yoga Schule „Sampoorna Yoga“ vorbei geschaut. Da ich in den letzten zwei Monaten ziemlich wenig getan hatte, habe ich mich dann auch schon mal für ein paar Klassen Vinyasa Flow Yoga angemeldet. Das habe ich eigentlich erst 3 oder 4 mal gemacht und so stellte ich fest, dass es doch noch einige wenig benutzte Muskeln bei mir gibt, hauptsächlich in den Oberarmen bin ich doch ein bisschen schwach…. Gut also, dass ich diese kleine Vorbereitung machen konnte…

Ansonsten verbrachte ich die ersten 10 Tage nach dem morgendlichen Yoga und Frühstück meist am Strand, lesen, schwimmen, spazieren gehen, meditieren, Abendessen und ganz viel Entspannung rundherum. Einige nette Menschen sind mir auch begegnet, einige von der Yogaschule und dann ein älterer Grieche, Tony, der hier den ganzen Winter verbringt und ein sehr freundlicher, kommunikativer Mensch ist. 


Insgesamt finde ich es hier wunderschön, fühle mich sehr wohl und freue mich jetzt auf mein 200 Hours Yoga Teacher Training. Vor zwei Tagen bin ich ins Fatima Guest House eingezogen, das direkt neben der Yogaschule liegt, und wir hatten unser erstes Treffen mit allen anderen Teilnehmern und den Lehrern. Es wird vier Wochen dauern und sicher ganz schön anstrengend, aber ich freue mich sehr darauf, nicht nur Yoga Praxis, sondern auch die Philosophie und Anatomy und alles was dazu gehört hier in dieser schönen Umgebung zu lernen und zu vertiefen. Zwei  Tage habe ich nun schon Training und spüre alle Muskeln, die ich vorher nicht so beachtet hatte, es ist ganz schön hart, aber macht auch viel Freude. Dazu werde ich dann beim nächsten Mal mehr schreiben.


Ich bin glücklich und dankbar hier zu sein und eine so schöne und intensiv gelebte Zeit zu haben.


Bis bald. Namaste aus Goa!









Mittwoch, 8. Mai 2013

Der Rest von Rio und über Frankfurt nach Chalkdikí...


Brasil – Frankfurt – Chalkidikí
Und auf einmal war ich wieder in Frankfurt, als wäre es eine Woche gewesen. Bei der Ankunft beinah schock-gefroren – von 32 in Rio auf 3 Grad in Frankfurt – habe ich mich umso mehr auf die Freunde gefreut, die mich am Flughafen und in meinem vorübergehenden Zuhause mit warmen Umarmungen begrüßt haben.
Aber zunächst nochmal zu den letzten vier Wochen in Rio. Es war weiterhin sehr anstrengend, aber auch erfüllend. Die Volunteers zwischen 18 und 66 Jahren haben mich und meine Kollegen Zac und Vivi immer auf Trab und in Atem gehalten. Dazu kamen einige Klagen von denen, die in einer Art Übergangsunterkunft waren, die eigentlich gar nicht unserem Standard der Unterbringung entsprach. Irgendwie konnten wir letztendlich alle in unseren anderen zwei Häusern unterbringen, so dass dann doch noch alle wieder zufrieden waren.
Ich selbst bin noch zweimal umgezogen, nachdem ich in meiner Unterkunft in Ipanema wieder „gebeten“ wurde, für ein paar Tage in eine etwa 4 m² Zimmerchen zu ziehen – und das mit all meinen Sachen aus einem großen Koffer, großen Rucksack, eine Sporttasche und eine Laptoptasche… So hat mich dann eine liebe deutsche Freundin, die schon eine Weile in Rio lebt, bei sich aufgenommen. Dort hatte ich in der unerwartet riesigen Wohnung mit schöner Dachterrasse auf einmal ein 5*-Zimmer mit eigenem Bad und Balkon – für umsonst, einfach für nur herzliche Dankbarkeit – danke, Kerstin, für die schönen letzten zwei Wochen mit einem Blick auf Copacabana auf der einen und Arpoador auf der anderen Seite.
So langsam habe ich dann auch meine Arbeitstempo herunter gefahren, habe ganz bewusst diese letzten Tage, von denen die allerletzten fünf ganz ohne Kopf voller Dinge, die noch zu tun oder zu lösen waren, erlebt. Und dabei noch einige richtig liebe und feine Menschen getroffen, neue Freunde gefunden und viel Spaß gehabt. Auch die manchmal sehr nervende Unorganisiertheit, die ständigen Verspätungen, warten auf Busse, kleine Hürden und das ganze wuselige Durcheinander in Rio waren dann nicht mehr so entnervend. Und ich habe mich dann auch schon ganz entspannt auf Griechenland und meine neue Aufgabe eingestimmt.
Aber dazwischen war ja noch Frankfurt und die Freunde dort und meine Familie in Schwerte. Am 4. April kam ich nach einem schönen überraschend fast tränenlosen Abschied von Rio und zwei relativ entspannten Flügen Rio – Lissabon – Frankfurt für 17 Tage wieder im kalten Deutschland an. Meine liebste Pilar und ihre Tochter Paula haben mich wieder bei sich aufgenommen, eine schöne kleine Mädchen-WG mit gemütlichen Abendessen und Frühstücken. Die Zeit war eigentlich viel zu kurz, aber ich habe viele gute Freunde treffen können, meine restlichen Sachen in einer Lagerbox verstaut und mich gut auf Griechenland vorbereitet.
Schön waren die zwei Tage mit der Familie in Schwerte und all die Frühstücke, Kaffees und Abendessen und Vinos mit den Freunden in Frankfurt.
Es war aber auch schon irgendwie komisch, jetzt zurück zu kommen wissend, dass ich keine eigene Wohnung mehr habe, nur auf der Durchreise zum nächsten Ort und Job bin. Aber das Gefühl von Freiheit ist auch wunderbar, keinen Ballast von Dingen und Klamotten, die man größtenteils nicht wirklich braucht, mehr zu haben und ganz frei entscheiden zu können, wann und wo es als nächstes hin geht, lebt sich immer besser. Ich bin sehr dankbar für all das, was ich erlebe und habe.
Und dann war es schon wieder Zeit, mich wieder zu verabschieden. Natürlich war ich auch diesmal ziemlich aufgeregt, als es am 21. April endlich wieder losging. Neue Koffer gepackt, habe ich Sonntags morgens am Frankfurter Flughafen meinen neuen Kollegen Michi kennen gelernt und bin mit ihm und Katja, die uns in unsere neuen Jobs einarbeiten sollte, nach Thessaloniki auf Chalkidikí, Griechenland geflogen.
Hier sind wir nun also in der wunderschönen Hotelanlage „Likithos“ http://www.vamos-reisen.de/likithos.html angekommen, wo wir uns die nächsten 6 Monate um deutsche Familien mit vielen Kindern kümmern werden: Michi als Programmchef verantwortlich für Sport, Ausflüge und Familienaktivitäten und ich als Reiseleiterin verantwortlich für alles drum herum, viele Fragen und zufriedene Gäste. Dazu sind dann noch zwei Kinderbetreuerinnen gekommen: Mara und Catherin, die sich etwa 30 Stunden pro Woche liebevoll und kreativ um all die kleinen Gäste kümmern. Der Reiseveranstalter vamos, für den ich hier im Einsatz bin, hat das ganze Hotel Likithos mit etwa 110 Betten gepachtet und ist an vielen anderen schönen Zielen in Europa auf schönen Urlaub für Familien mit Kindern spezialisiert. Allerdings nicht im Stil von Club Med oder Aldiana mit „Animation“ und Ganztagsbespaßung, sondern mit wirklich schönem Programm für Eltern und Kinder und die ganze Familie, kreativ, inspirierend und entspannt und das alles an Orten weiter weg vom großen Tourismus und in privat geführten Häusern. All Ihr Eltern mit den kleineren Kindern, das solltet Ihr Euch mal anschauen: http://www.vamos-reisen.de/startseite.html
Chalkidikí oder auch Halkidiki ist eine wunderschöne Halbinsel mit drei „Fingern“ und wir sind hier auf dem mittleren, der heißt Sithonía und ist nicht so sehr touristisch http://www.halkidiki.com/deutsch/sinfo_d.htm. Wunderschöne Landschaft, türkisblaues Meer und unser Hotel direkt davor, so dass man morgens gleich hinein springen kann.
In der ersten Woche hat uns Katja in alles eingeführt, uns die wichtigsten Wander- und Radtouren gezeigt und was wir hier noch alles so wissen müssen erklärt. Das war eine sehr aktive Woche und ich bin eigentlich zum ersten Mal in meinem Leben gewandert und gleich zweimal. Sicher werde ich keine ausdauernde Wanderin, aber hier in diesen Wäldern und Olivenhainen rundherum war es doch richtig schön und das Gekraxel über Felsen und Ziegenpfade hat Spaß gemacht und wurde mit wunderschönen Aussichten belohnt.
Am 27. April ist Katja dann wieder abgereist und hat uns unseren neuen Aufgaben überlassen. Am selben Tag kam unsere auch unsere erste Gastfamilie an, alle waren sehr aufgeregt und standen bei der Begrüßung bereit, ich habe meinen ersten Hotelrundgang gemacht und mich über die strahlenden Gesichter gefreut, die ich beim ersten Ausblick zum Pool und Meer zu sehen bekam. Erster kleiner Test bestanden. Jens und Vanessa mit Carole, Daphnée und Ariane waren gut gelandet und konnten uns 4 Tage lang exklusiv beanspruchen. Eine Familie war gut zum Einstieg, die nächsten kamen im Laufe der ersten Woche an und inzwischen sind es sieben, morgen kommen noch fünf hinzu und es werden jede Woche mehr. Bisher sind alle sehr zufrieden, haben Spaß und genießen viel Sonne, Pool und Strand. Alles läuft hier sehr persönlich ab von der Begrüßung bis zur Verabschiedung, gekünstelte Förmlichkeiten braucht man nicht, alle duzen sich, sind freundlich und ich habe auch keinen offiziellen „Reiseleitertisch“ mit Sprechstunden, wie man es sonst aus den Touristenhochburgen kennt. Ich bin einfach da, spreche oft mit allen Gästen, beantworte ihre Fragen jederzeit, wir essen im selben Restaurant vom selben Buffet und man tauscht sich über vieles aus, am Pool oder abends an der Beachbar.
Meine Kollegen sind großartig. Mit Michi, Mara und Catherin fühlt es sich an wie eine kleine Familie, wir essen immer zusammen, sind schon ein gutes Team und ein bisschen Freunde geworden. Michi, Mara und ich bleiben bis zum 3. November hier, Catherin bis Juni, dann kommen noch ein paar andere Kinder- und auch Jugendbetreuer für die starken Monate Juli und August. Ich glaube wir werde hier noch eine tolle Zeit zusammen haben, wenn es auch sicher noch etwas stressig hier und da wird, glaube ich, dass es bestimmt immer Spaß machen wird und wir uns gegenseitig in schwierigeren Zeiten unterstützen werden.
Der Gastgeber und Hotelbesitzer ist Gregorios, ein sehr freundlicher und warmherziger Mensch, der uns bei unserer Arbeit hier sehr unterstützt. Das griechische Team ist supernett und wir haben schon so manchen Abend bei Wein und Ouzo gemeinsam verbracht. Mit Yannis, Alexis, Filió, Clement, Renate, Nedim, Keti, Eleni und diversen Katarinas werden wir nun die nächsten sechs Monate zusammen arbeiten und sicher auch viele Male das ein oder andere feiern… Es gibt immer einen Grund für Wein und Ouzo und wenn es nur ein voller Bauch ist, was bei dem üppigen Abendessen eigentlich immer der Fall ist. Erstaunlich, was sogar ich hier so vertragen (trinken) kann und mir schmeckt sogar der weiße Retsina…
Heute war mein erster freier Tag und es gab zum ersten Mal seit wir hier sind Wolken und Regen… haha. Aber es war trotzdem ein wunderschöner und entspannter Tag für mich. Ich bin sehr sehr dankbar, dass ich all dies sehen, tun und erleben kann, die Menschen, das Land und diesen Job, der mir sehr viel Spaß macht. Ich bin dankbar, dass ich so vieles mache, wovon ich träumte, woran ich immer mal gedacht habe und es dann auf den Weg bringen konnte. Diesen Weg verfolge ich weiter und es fühlt sich gut an… das nächste Stück zeichnet sich schon ab, es ist in meinen Gedanken und ich habe angefangen darüber zu sprechen. Der Ruf aus einem anderen Land ist schon zu hören.
Aber nun bin ich erst mal ganz in Griechenland und freue mich auf einen schönen und spannenden Sommer auf Chalkidikí im Likithos.
JASSAS!!!!






Sonntag, 10. März 2013

Ein wunderbares Silvester, viele Menschen und dann auch noch Karneval...


Wie soll ich es sagen? Es sind drei Monate vergangen seit meinem letzten Blogeintrag, die Tage und Wochen sind ab Anfang Januar in einem solchen Tempo an mir vorbei geeilt, dass ich manchmal kaum hinterher gekommen bin. Ich werde hier jetzt keinen detaillierten Bericht dieser drei Monate abgeben, aber ein paar Dinge, die mir so einfallen, möchte ich gerne erzählen.

Da war also zunächst Weihnachten, auch hier am 24. Heilig Abend und am 25. Dezember Weihnachtstag, aber nur einer. Das schönste für mich ist, dass es so warm ist und ich mich nicht in dicke Klamotten packen oder in einer durchgeheizten Wohnung hocken muss. So habe ich dann den Heiligabend mit den Volunteers im Volunteer Haus bei einem schönen Truthahnessen auf der Dachterrasse verbracht. Bei 31 Grad – abends und nachts. Und das war sehr schön, entspannt und wir hatten viel Spaß mit einer erfundenen Wichtelvariante, so dass auch jeder ein kleines Geschenk bekommen hat.

Am Abend des Weihnachtstags, hat die Stadtverwaltung für 7 Millionen Real Stevie Wonder am Strand der Copacabana spielen lassen, gratis für alle Besucher. Als Vorprogramm und später auch in Stevie’s Show trat Gilberto Gil, einer der berühmtesten brasilianischen Sänger, auf. Beide hatten auch ihre Kinder mitgebracht, es haben dann auch noch alle gemeinsam gesungen, also so richtig schön wie es zu Weihnachten sein soll, alle haben sich lieb… Ich war dort mit einigen Freunden, wir hatten viel Spaß und diese Open Air Veranstaltungen hier am Strand sind einfach immer großartig, weil es immer warm ist und die Menschen fröhlich und es insgesamt immer sehr friedlich zugeht.

Und dann Silvester, eines meiner absoluten Highlights. Es war ein toller, wunderschöner, ganz entspannter, superlustiger und harmonischer Abend mit 11 Menschen aus Brasilien, Uruguay und Deutschland. Wir alle haben uns am späten Nachmittag im Apartment der Großmutter einer Freundin im Stadtteil Botafogo getroffen. Es wurde Essen vorbereitet, Drinks gemixt, Blumenhaarschmuck gebastelt und dann haben sich nach und nach alle hübsch gemacht. Und es war so eine fröhliche, entspannte Stimmung, gesprochen wurde portugiesisch, englisch, spanisch und deutsch. Das Essen sollte um 21h stattfinden, aber wir sind ja hier in Brasilien, das heißt, wir haben letztendlich erst um etwa 22.15h gegessen und haben den Weg zum Strand von Leme (neben Copacabana) halb rennen müssen, um noch in 2012 dort anzukommen. In sensationellen 35 Minuten haben wir die ungefähr 2-3 km zurückgelegt, zwischendurch haben wir uns immer wieder gezählt, und sind um 23.55h angekommen, gerade noch rechtzeitig, um einen schönen Platz zu finden, wo wir uns alle um 0.00h in die Arme fallen konnten mit den besten Wünschen für 2013. Es gab ein etwa 18-minütiges fantastisches Feuerwerk entlang der ganzen Copacabana, aber das kennt man ja aus dem Fernsehen. Wenn man da so steht und schaut, ist es für 5 Minuten wirklich toll, aber nach etwa 10 Minuten spätestens denkt man, dass es doch jetzt reicht und was man mit diesem in die Luft geblasenem Geld hier alles bewegen könnte… Nun gut, es war trotzdem schön, wir haben ein paar Stunden getanzt, getrunken und sind über Wellen gehüpft und haben die Meeresgöttin Yemanja bejubelt, um ihr zu danken und Wünsche an sie zu richten. Ich war in dieser Nacht mit wunderbaren Menschen zusammen, die ich größtenteils gar nicht oder kaum vorher kannte, aber alle waren wir uns doch nah, alle haben diese Harmonie und die ganz stark verbindende Energie gespürt, jeder hat es irgendwie bemerkt. Es war wohl eine der allerschönsten Silvesternächte meines Lebens, ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke und ich bin sehr dankbar, Marina, Laura, Moreno, Mauri, Diego, Carlos, Juan, Augusto, Priscila und ganz besonders meine allerliebste Lisa!!!

Nach Neujahr hatte ich noch zwei Tage zum Durchatmen vor der absoluten Sommerhochsaison in Rio und damit auch für uns: Am 3.-5. Januar erwarteten wir 18 neue Volontäre an einem Wochenende. Da meine Kollegin Viviana zu der Zeit noch im europäischen Urlaub war, hatte ich den ganzen Empfangsspaß fast alleine abzuwickeln. Bis auf ein paar kleine Wehwehchen von etwas überwältigten jungen Volontären ist aber alles ganz gut gelaufen, alle wurden ordnungsgemäß in alles eingewiesen und innerhalb der ersten Woche alle auf ihre Projekten platziert. Hilfe hatte ich dabei von einem Kollegen, der ab und zu mal einspringt bei Platzierungen, wenn es zu viele werden. Ha, und hier kommt mir natürlich auch meine, hier immer als „typisch deutsch“ benannte, effiziente Vorbereitung und Organisation solcher Angelegenheiten zu Gute. Wenn man gut vorbereitet ist, gut plant und ein paar Tage vorher schon an alles denkt, lässt sich dann auch alles leichter abwickeln und durchführen. Da darf dann auch mal was unvorhergesehenes passieren, darauf kann man dann auch leichter reagieren.

Die darauf folgenden Wochen bis Ende Januar hatten wir dann jedes Wochenende noch weitere Neuanreisen. Meine Kollegin Vivi war zwar wieder zurück, hat sich aber nach ihrer ersten Woche bei einem blöden Motorradunfall ihr Bein derartig verbrannt, dass sie über zwei Wochen nur zu Hause bleiben konnte. Und gerade sie ist eigentlich immer viel auf unseren Projekten unterwegs. So musste ich also das meiste selbst machen. Will heißen, Volontäre auf Projekte platzieren, 1-2mal die Woche in den mittlerweile drei Gästehäusern, wo alle wohnen, nach dem Rechten schauen und präsent sein, kleinere, mittlere und manchmal größere Probleme mit oder für Volontäre lösen, die in allen Bereichen mal auftauchen (Projekt, Haus und Kommunikation) und zwischendurch noch ein Filmteam betreuen. Jede Woche gibt es jetzt auch einen Abend, wo sich alle in der Bar do Gomes in Santa Teresa treffen, um sich kennen zu lernen und Erfahrungen aus zu tauschen, denn wir haben für über 40 Volontäre keinen Ort, um gemeinsam über alles Mögliche zu sprechen. Ich liebe diesen Job, deshalb habe ich wohl auch irgendwie all die nötige Energie dafür aufbringen können, das alles fast allein zu schieben, aber alles ist letztendlich supergut gelaufen, alle waren zufrieden und mein Chef Felipe, der selber ein Restaurant betreibt und deshalb mir das ganze Management der Organisation überlässt, möchte, dass ich für immer bleibe… Ein sehr schönes Kompliment und ich hätte das gerne in Betracht gezogen, aber… dazu komme ich später.

Dann kam der Karneval.
Plötzlich ist die Stadt voller Menschen, noch mehr Menschen…. Es wird überall auf den Straßen gefeiert, es gibt ab Januar schon Umzüge, sogar die Proben der Bands und Baterias (Trommelgruppen) sind öffentlich und nichts läuft mehr normal je näher der Karneval kommt. Man kann also nirgendwo mehr hingehen oder hinfahren, ohne auf einen „Bloco“ (Straßenkarneval) zu treffen. Es gibt schöne und wirklich lustige Blocos, wo man einfach Spaß hat, es friedlich zugeht und man nicht beklaut wird. Ganz schlimm sind die an den Stränden von Copacabana und Ipanema, wo so viele Bekloppte sich besaufen, überall hinpinkeln und kotzen und es einfach ekelhaft ist. Und da wird man dann auch beklaut, also nicht ich, aber viele viele Touristen, die sich dort auch als solche zur Schau stellen. Ok, jeder soll seinen und ihren Spaß haben, ich fand es einfach blöd, dass ich wochenlang nicht an den Strand in Ipanema gehen konnte. Irgendwie ist die Stimmung dann auch aufgeheizt und angespannt in der ganzen Stadt. Man kann sicher sein, dass viel mehr Taschendiebe und andere Kleinbanditen in der Stadt unterwegs sind und die diese Zeit für gute Geschäfte nutzen, leichtsinnige, betrunkene und unbedarfte Touristen auszurauben.

Gerne wäre ich dem Ganzen entflohen, aber ich musste hier bleiben für eventuelle Zwischenfälle bei den Volontären, wo ich dann hätte helfen müssen. Aber glücklicherweise waren alle brav, niemand ist verloren gegangen oder wurde verletzt, auch dank unserer langen Liste von wichtigen und guten Hinweisen zum Verhalten in Rio zum Karneval… Ich habe dann zwei Tage mitgefeiert auf zwei großartigen Blocos und war im Sambódromo. Das war schön, wir hatten viel Spaß, aber bei dieser Hitze von 38 Grad ist man auch ganz schnell sehr erledigt. Ich war froh als der Zauber endlich vorbei war, was sich allerdings dann auch noch bis zum Sonntag nach Karneval hinzog, und man sich wieder frei und entspannt in der Stadt bewegen konnte.

Meine Wohnsituation hat sich inzwischen auch wieder verändert. Nach 2,5 Monaten bei einer jungen alleinerziehenden Mutter in Santa Teresa, die ihr Apartment zu Karneval an so viele Leute vermietet hatte und dann auch noch ab Ende Januar selber dort mit ihren zwei Kindern wohnte, dass wir insgesamt zu acht dort waren, habe ich meine Koffer gepackt und bin wieder nach Ipanema gezogen. Hier bin ich jetzt seit drei Wochen bei einer Freundin untergebracht, die aber auch eine ordentliche Miete von mir verlangt. Das ist hier in Rio sowieso unglaublich teuer geworden und man sollte auch nie damit rechnen, dass man bei Freunden billiger wohnen kann. Die Carioca machen jetzt richtig Geld mit allen freien Zimmern, die sie haben. Manchmal ist das echt unverschämt. Und mit der WM 2014 und der Olympiade wird das hier alles noch mehr explodieren. Da wird einem echt schlecht… Mein 10m² Zimmerchen hier in Ipanema in einem Apartment im letzten Block, im 19. Stockwerk, immer heiß, soll BR 2.000 monatlich kosten, also etwa € 780,- …. Viel teurer als in Frankfurt und die vermieten hier sogar ihre „Empregada-Zimmerchen“ (für die Hausangestellte), meist ohne Fenster und maximal 6m² mini für über € 300,-. Überhaupt ist alles um etwa 15 – 20% teurer geworden und es geht lustig weiter, gerade wurden die Buspreise wieder um 10% angepasst…

So, was habe ich noch gemacht?
Den deutschen Herrn Generalkonsul in Rio zu unserem Projekt Nova Chance gebracht, wo man jetzt über eine Zusammenarbeit redet. Ein Filmteam von Worldnomads betreut bei ihren Aufnahmen bei unseren Projekten. Volontäre zu Ärzten begleitet. Weinende Volontäre wieder auf die Spur geschoben. Viel Eis gegessen. Unter einem Wasserfall in einer Höhle geduscht und barfuß im Dunkeln durch den Regenwald von Rio spaziert. Gefühlte 20.000 km zu Fuß und 80.000 km mit Bussen zurückgelegt. Viel geschwitzt. Im Meer gebadet. Sonnenuntergänge am Arpoador genossen. Viel Spaß gehabt.

Sehr schön war das Wochenende in Trindade, ein Örtchen mit ein paar wunderbaren Stränden, etwa 200 km von Rio entfernt. Da habe ich 2 entspannte schöne Tage am Strand verbracht und wäre am liebsten geblieben. Die Stadt Rio laugt einen oft sehr aus und man muss hier ab und zu mal raus, um zu sehen, wie schön Brasilien und die Gegend hier eigentlich ist. Ich bin oft sehr erschöpft vom vielen Busfahren, rumlaufen, Hitze, dreckige Luft und überall Lärm… Carioca sind auch oft unglaublich laut. Hier gibt es immer irgendwas, das nicht funktioniert, man wartet oft und lang und überall auf irgendwas oder irgendwen…. Aber ich weiß, wenn ich zurück in Europa sein werde, wird mir dieses Gewusel auch fehlen, denn es hetzt hier auch keiner und das macht einen mit der Zeit geduldiger und man hat in Deutschland irgendwie das Gefühl, dass es doch alle mit der Schnelligkeit und Ungeduld, wenn mal was nicht gleich flutscht, total übertreiben.
Ich gebe zu, ich bin schon oft sehr erschöpft, könnte ab und zu selber mal jemanden brauchen, der sich um mich kümmert. Aber ich bin glücklich und dankbar hier zu sein und das zu tun, was ich tue. Ich treffe jede Woche neue und interessante junge, aber auch ältere Menschen aus aller Welt, unsere Volontäre, die hierher kommen und größtenteils ernsthaft helfen wollen, manche die Welt in zwei Wochen verändern, was ja nicht geht, aber der Wille zählt, und dann all die Menschen mit denen ich zusammen arbeite… ihr seid großartig! Ich sehe hier Menschen sich persönlich entwickeln, nehme daran teil, versuche, Ihnen dabei Orientierung zu geben, zu helfen und ein paar gute Dinge mit auf den Weg zu geben.

Diese Zeit hier ist ein wunderbares Stück meiner Reise.

Anfang April fliege ich nach Deutschland zurück, wo ich nur kurz sein werde, um ein paar Dinge zu organisieren und zu regeln und vor allem, meine Familie und Freunde, die ich natürlich oft vermisse, zu sehen und zu umarmen. Danach habe ich für 6 Monate eine neue Aufgabe als Reiseleitung in einem Familienhotel in Griechenland, worauf ich mich sehr freue.

Ich liebe mein Leben. Ich lebe einen Traum.

Bis bald, eine Riesenumarmung aus Rio, 1000 beijinhos!!!

Und noch die paar Fotos:
Heiligabend Drinks

Heiligabend Gruppenfoto

Heiligabendessen...
Stevie Wonder Konzert mit Dani und Michi

und der Rest der Gruppe vor dem Konzert

Stevie...
Silvester am Strand...

mit der wunderbaren Lisa...

und den wunderbaren neuen Freunden!
mit Mauri und Diego in Santa Teresa
entspannte Füße, endlich...

enspanntes Essen und Drinks...

Praia......

mein Wunsch Zuhause...

ich weiß immer noch nicht, wie man es dreht...

Montag, 17. Dezember 2012

Neue Projekte, meine Kids und ich allein...

Zuckerhut im Morgennebel
 Vier Wochen sind dahin gerast, ich kann es kaum glauben. Es ist ja schon fast Weihnachten, wovon ich hier nur gelegentlich etwas mitbekomme, hier ein Kunststoffweihnachtsbaum, da ein Jingle Bells Geklimper oder die blinkende Weihnachtsbeleuchtung in den umliegenden Gemeinden, die ich von meinem Fenster aus sehe.
Ich glaube, ich habe es noch nicht erwähnt, aber inzwischen wird nicht mehr generell die Bezeichnung „Favela“ für die Armenviertel insbesondere an den Hügeln Rio’s benutzt, sondern von der „Communidade“ (= Gemeinde, Kommune) gesprochen. Das ist nun die offiziell politisch korrekte Bezeichnung, da mit dem Begriff „Favela“ meist direkt mit Armut, Kriminalität und Drogen verbunden wird. Die positive Entwicklung, die damit erreicht werden soll, wird durch den neutralen Begriff „Gemeinde“ gestützt. Wie positiv das alles unterm Strich aussieht, ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, je nachdem, wer dort tatsächlich das Sagen hat und wie stark die Korruption noch greift, entwickelt sich alles zum Besten der Bewohner oder auch nicht. 
In den letzten Wochen waren meine Kollegin Viviana und ich viel bei unseren Projekten zu Besuch, weil wir zum einen alle zwei Wochen neue Volunteers bekommen, die wir an ihrem ersten Tag dorthin begleiten müssen und zum anderen, weil es ein paar neue Projekte gibt, bei denen wir demnächst auch Volunteers platzieren werden.
Eines dieser neuen Projekte bzw. neue Partnerorganisation ist Nova Chance („Neue Chance“) und hat eine erstaunlich gute Infrastruktur in zwei verschiedenen Gemeinden: Tuiutí und Mangueira. Mangueira hat auch eine der größten und besten Sambaschulen Rio’s und liegt im nördlichen Rio, wie die meisten unserer Partner. Es gibt jeweils ein Gebäude mit verschiedenen Räumen, die teilweise schon gut bestückt sind, z. B. als Klassenraum für Englischunterricht, ein „Sportraum“ für Kampfsport oder Yoga, ein Raum mit gespendeten gut erhaltenen Computern für Infomatikunterricht, sogar ein Arztzimmer mit einigen Untersuchungsplätzen und einen Physiotherapieraum mit Grundausstattung und nicht zuletzt einen kleinen Beton-Fußballplatz in Tuiutí und ein Fußballfeld auf Lehm etwa in Trainingsplatzgröße in Mangueira. Was fehlt, sind Volontäre, die hier helfen. Deshalb hat uns jemand mit dem wunderbaren Ely, Gründer und Direktor dieser Organisation, in Kontakt gebracht. Nach einem ersten Meeting sind Vivi und ich also dorthin gefahren, um festzustellen, dass es hier vor allem großen Bedarf an freiwilligen Helfern gibt: Ärzte, Medizinstudenten, Fußballtrainer, Physiotherapeuten, Lehrer für Englisch, Computernutzung, Rückengymnastik, Yoga, Kampfsport, Musik usw., und auch Handwerker werden benötigt, da es noch einiges zu installieren gibt. Falls also jemand Interesse hat, mal hier als Volontär ein paar Wochen oder Monate zu verbringen, gerne bei mir melden.
Eine unserer sehr bedürftigen Organisationen ist IASESPE in Bonsucesso, der unteren Siedlung der großen Gemeinde „Complexo do Alemao“, was einige von Euch vielleicht schon mal gehört haben. Hier gab es im November 2010 schlimme Kämpfe, als Polizei- und Militäreinheiten die Gemeinde stürmten und letztendlich „befriedeten“. Seit über einem Jahr gibt es hier nun eine Seilbahn, die über insgesamt sechs Stationen Menschen, Einwohner sowie auch Touristen, in Gondeln rauf und runter „schweben“ lässt. In der unteren Siedlung also, Bonsucesso, ist unsere Partnerorganisation IASESPE. Hier haben wir zur Zeit drei Volontäre platziert, die eine wunderbare Arbeit insbesondere hinsichtlich der Weiterentwicklung der Organisation im Bereich Spendenaufrufe, Aktivitätenangebot und allgemeine Unterstützung leisten. Einer der Volontäre hat einen tollen Film gemacht, an dem noch einige Volontäre beteiligt waren, sehr emotional, aber auch sehr nah an der Realität. Da der Film Musik enthält, kann man ihn leider aus GEMA-rechtlichen Gründen in Deutschland nicht sehen, es sei denn, ihr wisst wie man sich ein „Schein-Konto“ für die USA auf Youtube einrichtet, versuchen könnt Ihr es, hier ist der Link zum Film: https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=ic_9UznkO1k
Dies sind wirklich tolle Volunteers, die sich sehr proaktiv in ihr Projekt integrieren und einbringen konnten. Das ist nicht immer der Fall. Viele kommen hier mit sehr romantischen Vorstellungen her, wie z. B., dass man glücklich lächelnd zwischen unglücklichen und armen, aber lächelnden, dunkelhäutigen Kindern sitzt und klar gestellte Aufgaben hat. Das ist hier nicht so, denn einige der Organisationen sind teilweise noch unstrukturiert und nicht gut organisiert und es braucht wirklich große und viel Eigeninitiative, um wirklich zu helfen. Volunteers, die nur für zwei oder drei Wochen herkommen (und oft auch eigentlich eher Ferien machen wollen), werden deshalb eher auf die Projekte platziert, wo die Aufgaben klarer gestellt werden, wie z. B. in Kinderkrippen mit regelmäßigem Tagesablauf oder Sportunterricht mit regelmäßigen Einheiten.
Ich betreue im Moment 18 Volunteers, die meisten sind ruhig, verhalten sich unseren Regeln entsprechend gut, der eine oder die andere hat mal dies oder jenes zu zetern oder tanzt mit irgendwas aus der Reihe, einige wenige sind schwierig, jammern auf hohem Niveau über langsame Internetverbindungen oder kalte Duschen (alles alltägliche Problemchen für ganz viele Menschen hier…). Ich mache diesen Job gern, einfach, weil ich gerne für die Kids da bin, manchmal nerven sie unglaublich, aber im Grunde hab ich alle gern und da ich keine eigenen Kinder habe, fühlt es sich oft so an, als hätte ich hier auf einmal ein ganzes Haus voll davon. Und manchmal möchte ich am Ende einer Woche am liebsten keins von ihnen mehr sehen und hören… An den ersten drei Januarwochenenden kommen etwa 35 neue Volunteers an, meine Kollegin Vivi ist bis zum 13. Januar noch im Urlaub, das wird ein Riesenspaß… und alles hört auf mein Kommando! Mal sehen, wie das so wird…
Wenn ich frei habe am Wochenende, gehe ich eigentlich am liebsten an den Strand in Ipanema oder neuerdings auch einen weiter in Leblon. Das tut echt gut, so ein Tag am Meer, da lade ich mich auf mit ganz viel guter neuer Energie und genieße einfach zu „sein“ und freue mich darüber, dass ich hier bin.
Abends gehe ich mal mit Freunden zu lustigen Straßenmusiken, immer irgendwas Samba-artiges, denn es geht ja schon auf Karneval zu, oder einfach gemütlich essen oder auch nur ein Bierchen, Kino auch immer mal wieder oder ich falle auch manchmal einfach schon um 21 oder 22h total erschöpft ins Bett. Letzteres passiert oft nach langen Tagen und Wegen mit Bussen und zu Fuß zu Projekten, das ist bei der Hitze, im Moment immer zwischen 30 und 35 Grad superanstrengend. Man ist von Santa Teresa aus zwischen 1 und 2 Stunden zu den Projekten unterwegs, wenn man nicht im „Formel1-Bus“ durchgerüttelt wird, läuft man längere Strecken. Und ich staune und mache immer noch das „Connie-mit-großen-überraschten-Augen-Gesicht“, wenn die Busfahrer so schnell um alle Ecken und Kurven heizen, dass ich uns manchmal schon vor die nächste Hauswand oder Leitplanken ticken sehe, aber es geht immer gut.
Letzte Woche hatten wir dann auch noch ein Filmteam von unserem größten internationalen Partner hier. Die haben Aufnahmen für einen Trailer über unsere Volunteer Programme gemacht und mussten an zwei komplett durchorganisierten Tagen vier oder fünf Projekte besuchen, 5 oder 6 Volunteers interviewen und die Volunteers in ihrem alltäglichen Leben filmen. Das war sehr spannend, besonders am zweiten Tag, als meine wunderbar durchdachte Organisation durch verschiedene kleine Ausfälle bzw. Aussetzer von involvierten Personen bei den Projekten zum Teil durcheinander geschmissen wurde. Aber das ist ja hier normal und damit muss man immer rechnen, man macht einfach weiter, da und so wie es geht. Letztendlich hat alles geklappt, wir haben ein dickes Lob für unsere Vorbereitung und auch allgemein für unsere Arbeit mit den Volunteers bekommen vom Chef der Partnerorganisation. Am ersten Abend gab es eine schöne Strandparty mit allen zusammen in Ipanema zum Sonnenuntergang und am zweiten Abend war ich beim gemeinsamen Abendessen so platt, dass ich nach dem ersten Bier dachte, mich hat ein Holzhammer getroffen – ich konnte und wollte nicht mal mehr sprechen, alles war auf null.
Nach einem anstrengenden Rest der Woche habe ich es dann gestern, am Samstag, ganz, aber ganz langsam angehen lassen: ausschlafen, Frühstück, lesen im Lieblingscafé (mein Harvey’s Ersatz J ), Lavradio Arts&Crafts Markt in Lapa, danach Thais‘ Bazar in meinem ersten Zuhause, Massage, neue Menschen getroffen und nach einem Bier schon wieder fast im Tiefschlaf.
Ach ja, umgezogen bin ich ja auch vor zwei Wochen. Jetzt wohne ich weiter oben in Santa Teresa, dort, wo ich schon einmal in 2010 wohnte. Ich habe ein schönes Zimmer, nur leider keine Terrasse mehr mit Pool, weil es in einem Apartment ist. Die Vermieterin ist auch eine Freundin, hat inzwischen zwei Kinder und geht jetzt selbst für 6 Wochen etwa zu ihrer Familie in Porto Alegre. Ab morgen wohne ich dann hier mit zwei Jungs, ein deutscher Kollege aus MG und ein Amerikaner aus Greenville, alle ganz nett und ordentlich – bisher. Aber ich habe so im Gefühl, dass ich noch einmal umziehen werde…
In der vergangenen Woche waren Freunde aus der Frankfurter Sangha hier in Rio. Zwei Freundinnen im Urlaub und ein Freund, der Flugbegleiter bei LH ist und herfliegen durfte mit zwei Tagen Aufenthalt. Das war sehr schön, mal mit Freunden in der vertrauten Sprache zu sprechen, vertraute Umarmungen und gute Energien aufzuladen. Wir waren alle zusammen abendessen in Ipanema und ich habe das sehr genossen und war sehr dankbar für diese Momente. Immer wieder werde ich gefragt, ob ich hier nicht manchmal „einsam“ bin. Ja, das kommt vor, aber es ist eher ein Gefühl, also nicht als reale Einsamkeit, sondern von plötzlichem Alleinsein überrascht, das z. B. nach einigen langen Tagen mit vielen Menschen aufkommt, wenn ich plötzlich am Samstag allein bin, keine Verabredung habe und mich erstmal allein ohne ständige Kommunikation neu aufladen muss und natürlich auch möchte. Aber nach einer Stunde mit mir allein sind diese Schleier verschwunden und ich genieße die freie Zeit, um mich mal nur um mich zu kümmern. Nutella hilft auch J - aber leider hat mein LH-Freund meine 1kg-Nutella-Bestellung vergessen, also muss ich das teure Nutella hier kaufen und gut rationieren für die „ich-will-aufn-Arm-Stunden“, wenn ich ein warmes Nutellaschnittchen brauche.
Heute gibt es nun auch ein paar Bildchen im Blog. Wenn Ihr mal etwas spezielles wissen möchtet, fragt mich einfach. Ansonsten schreibe ich einfach immer das zusammen, was mir einfällt und erzählenswert erscheint. Und ich freue mich auch sehr über News von Euch, gerne mal sprechen über Skype.
In einer Woche ist Weihnachten und ich hoffe, es geht Euch allen gut und Ihr verbringt die Feiertage mit Euren Liebsten. Habt eine schöne Zeit, wo auch immer Ihr seid, ich denke an Euch und schicke meine allerbesten Wünschen und ein paar ganz schön warme Grüße und Küsse aus Rio!!!
Englischunterricht mit Volunteers

Ipanema Sonnenuntergang

Strandparty Ipanema




Meine Freundin Thaís

Victor zeigt uns seine Aussicht auf das Maracana Stadion

Victor trägt sein kaputtes Fahrrad :( (ich weiß nicht, wie man
es dreht)

nochmal Maracana Stadion



Fußballfeld in Tuiutí

Kaffeepause

Das Haus, das ich kaufen und renovieren würde...